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Einzelfälle?

Ein paar Menschen, die ich kennenlernte:

  • Hazem, 25, wohnte mit in Beit Noah. Er hat selbst längere Zeit im israelischen Gefängnis gesessen. Einer seiner Brüder wurde während der Intifada - mit fünfzehn - erschossen. Er lebt seinen islamischen Glauben sehr ernst und ist voll Liebe, auch ohne Haß gegen "die Juden". Er hat zeitweise für Israelis gearbeitet und diese Menschen als freundliche Leute kennengelernt, die wie er selbst leben. Nur von dem Soldaten, der seinen Bruder getötet hat, sagt er: Ich hoffe, daß Gott ihn eines Tages fragt, warum er das getan hat.
  • Merbet, Ende 20, im Heim aufgewachsen, ein "Soldatenkind". Man sieht es ihr an. Ihr Vater ist nicht bekannt, ihre Mutter wurde wahrscheinlich von der eigenen Familie umgebracht. Sie ist sehr intelligent, aufgeschlossen, hin- und hergerissen, hat in den letzten Jahren in Israel als "Kindermädchen" gearbeitet, gespart und will jetzt in Bethlehem studieren
  • Adam, Sprecher von "Gus Shalom", verweigerte anläßlich des Libanonkrieges 1982 erstmals den Wehrdienst, saß dafür im Gefängnis, und lehnte Reservistendienste ganz ab, als er erlebte, wie Soldaten, die waffenlose Palästinenser erschossen, also offensichtlich nicht in Notwehr gehandelt, hatten, zwar vor ein Militärgericht gestellt, aber nach einem halben Jahr entlassen wurden. Er selbst saß deshalb mehrfach im Gefängnis und ist jetzt "wehrdienstuntauglich", weil ihm ein Arzt bescheinigt hat, daß er "Gesichter historischer Persönlichkeiten sieht", also geistig nicht zurechnungsfähig ist. Andere Wege, vom Wehrdienst und den jährlichen Reservediensten in Israel befreit zu werden, gibt es nicht.
  • Mohammed, verheiratet, seine Frau bekam gerade das erste Kind, lernte Optiker in Deutschland und hat einen schönen Laden in Bethanien eröffnet. Aber wer kann sich die guten Brillen schon leisten? Oder überhaupt einen Optiker?
  • Vicky ist nach dem zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion geboren, die Eltern waren aus Kiew nach Taschkent umgesiedelt worden, Anfang der 50iger Jahre verließen sie das Land, gingen zunächst nach Israel, dann nach Kanada und später wieder zurück nach Haifa. Sie lebt mit ihrem Mann und 2 erwachsenen Kindern in Westjerusalem und sieht in dem, was der israelische Staat tut, vor allem die Absicherung eines USA-Stützpunktes in der arabischen Welt. Ihr Mann arbeitet als Beamter. Mir zuliebe hat er seine Angst, in die Westbank und eine palästinensische Ortschaft zu fahren, erstmals überwunden...um mich spätabends heimzubringen.
  • Khalils Mutter, so alt wie ich, hat 9 Kinder. Ihr Leben spielte sich in ihrem Zuhause in Halhul ab -zwischen Haushalt, Kochtopf, Brotbackofen, Wäschetopf, harter Feldarbeit und der ständigen Sorge ums Geld. Sie versteht etwas englisch und spricht ein paar Brocken. Mit Unterstützung der erwachsenen Söhne haben sie ihr kleines Haus aufgestockt. Wenn die neue Wohnung fertig ist, werden sie endlich Toilette und Dusche und sogar ein eigenes Schlafzimmer haben. Sie ist klug, gastfreundlich, voller Liebe und - so mein Eindruck - gewohnt, zurückzustecken. Wenn ich genug Geld hätte, würde ich ihr einen Urlaub in Deutschland bezahlen.
  • die Al-Shawamreh-Familie mit sechs Kindern, die in Anata , einem Jerusalemer Vorort wohnen, deren Haus 1998 zerstört wurde, obwohl die Familie darin wohnte und keine Möglichkeit bestand, woanders hinzuziehen. Dabei wurde soviel Gewalt angewendet, daß die Mutter lange Zeit wegen ihrer Depressionen stationär behandelt werden mußte. Auch ein unter Unterstützung des ICAHD auf eigenem Grund und Boden neu aufgebautes Haus wurde zerstört. Ich baute am dritten Haus mit, das im Sommer dieses Jahres mit einem großen Fest eingeweiht wurde... in der Hoffnung, daß so etwas unter der Regierung Barack nicht mehr zugelassen wird.
  • Inzwischen weiß ich von weiteren Hauszerstörungen, "Demolishen-Orders" und der Konfiszierung von Land in Ostjerusalem und der Westbank... trotz der Vertragsunterzeichnung von Arafat und Barak : In den Bequa'a-Hügeln im Osten Hebrons begann die Landeinebnung für die Errichtung einer israelischen Siedlung von 40 Häusern Anfang September. (e-Mail des "Cristian Peacemaker Team" Hebron vom 10.9.99, Rückfragen möglich über cptheb@palnet.com)


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Kt-Nr. 10 090 3736, BLZ 523 600 59 bei Waldecker Bank e.G.
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